Ab 1. Juni 2026 stellt GitHub das Abrechnungsmodell für Copilot grundlegend um. Statt einer monatlichen Pauschale mit einem festen Kontingent an sogenannten Premium Requests zahlen Unternehmen künftig nach tatsächlichem Verbrauch: gemessen in GitHub AI Credits, berechnet nach Token-Verbrauch. Die Grundpreise bleiben unverändert, Copilot Business kostet weiterhin 19 US-Dollar pro Nutzer und Monat, Copilot Enterprise 39 US-Dollar.
Das neue Abrechnungsmodell
Der Wechsel kommt nicht aus dem Nichts. GitHub begründet ihn damit, dass Copilot heute ein anderes Produkt ist als vor zwei Jahren. Was als Editor-Assistent für Code-Vervollständigung startete, ist zu einer agentischen Plattform geworden. Entwickler führen mehrstündige autonome Coding-Sessions durch, arbeiten mit großen Kontextfenstern und nutzen komplexe Workflows, die eine einzelne Anfrage in viele interne Verarbeitungsschritte aufteilen. Eine kurze Chat-Frage und eine dreistündige Agent-Session kosten im heutigen Modell gleich viel. Das ist auf Dauer nicht tragfähig.
Das neue Modell funktioniert so: Jeder Plan enthält ein monatliches Guthaben an AI Credits, das dem bisherigen Abo-Preis entspricht.
| Plan | Preis | Inklusiv-Credits |
|---|---|---|
| Copilot Business | 19 USD/Nutzer/Monat | 1.900 Credits (19 USD) |
| Copilot Enterprise | 39 USD/Nutzer/Monat | 3.900 Credits (39 USD) |
Ein Credit entspricht 0,01 US-Dollar. Die Credits werden organisationsweit gepoolt, nicht pro User isoliert verwaltet. Wer das Inklusivkontingent überschreitet, kann zusätzliche Credits zukaufen oder per Admin-Einstellung einen harten Ausgabendeckel setzen.
Was keine Credits kostet:
- Code-Vervollständigung und Next-Edit-Suggestions bleiben in allen Plänen unbegrenzt
Was Credits kostet:
- Modellaufrufe in Chat, Agents und komplexen Workflows
- Code Review (verbraucht zusätzlich GitHub Actions Minutes)
Wie Token-Verbrauch funktioniert
Credits werden nach Token-Verbrauch berechnet. Jede Interaktion setzt sich aus drei Komponenten zusammen:
- Input-Tokens: Der Prompt zusammen mit Kontext, den der Entwickler sendet
- Output-Tokens: Die Antwort des Modells
- Cache-Tokens: Wiederverwendeter Kontext aus früheren Anfragen, der günstiger abgerechnet wird
Die genauen Raten richten sich nach dem verwendeten Modell. Leistungsfähigere Modelle wie GPT-4o kosten mehr als kompaktere Varianten.
Ein Entwickler, der Copilot hauptsächlich für schnelle Inline-Suggestions und kurze Chat-Fragen nutzt, wird vermutlich im Rahmen des inkludierten Guthabens bleiben. Ein anderes Bild ergibt sich bei Nutzungsmustern, die das Credit-Budget deutlich schneller aufbrauchen:
- Komplexe Agent-Workflows mit mehreren automatischen Verarbeitungsschritten
- Code-Reviews über große Codebases mit breitem Kontext
- Copilot Workspace für mehrstufige, autonome Aufgaben
Was GitHub bis Juni einführt
GitHub hat einen Preview-Modus angekündigt, der ab Anfang Mai verfügbar ist und zeigt, was die April-Nutzung unter dem neuen Modell gekostet hätte. Das ist der wichtigste Schritt in den nächsten Wochen: Diese Baseline erheben, bevor die nutzungsbasierte Abrechnung am 1. Juni greift.
Darüber hinaus sind drei Punkte relevant:
- Nutzungsmuster verstehen. Welche Teams und welche Workflows verbrauchen die meisten Credits? Wer nutzt Agents intensiv, wer bleibt bei einfachen Suggestions? Diese Fragen lassen sich über das GitHub Admin-Dashboard beantworten. Ohne diese Sicht fehlt die Grundlage für jede weitere Entscheidung.
- Modellwahl bewusst steuern. Nicht jede Aufgabe braucht das leistungsfähigste Modell. Teams, die intern klare Empfehlungen entwickeln, welches Modell für welchen Anwendungsfall sinnvoll ist, können Credits gezielt schonen, ohne an Produktivität einzubüßen.
- Prompt-Qualität als Standard. Im Pauschalmodell war ein schlecht formulierter, zu breiter Prompt eine Qualitätsfrage. Ab Juni ist er auch eine Kostenfrage. Kurze, präzise Prompts mit klarem Ziel sind günstiger. Das lässt sich trainieren, und es lohnt sich.
Was dieser Wandel bedeutet
Nutzungsbasierte Abrechnung macht sichtbar, was bisher im Pauschalbetrag versteckt war. Sie schafft keine neuen Kosten. Unternehmen, die jetzt eine Baseline erheben, ihr Team informieren und die richtigen Kontrollmechanismen einrichten, werden am Ende oft nicht mehr zahlen als vorher, aber deutlich besser verstehen, was ihre KI-Investition tatsächlich bringt.
GitHub ist Teil eines Musters, das das gesamte Microsoft-KI-Ökosystem betrifft. Genau deshalb wird das Verständnis der eigenen digitalen Prozesse gerade jetzt besonders wichtig. Im Seidl Software Blog beleuchten wir komplexe Themen so, dass Sie fundierte Entscheidungen treffen können, ohne jeden Wandel im Microsoft-Ökosystem selbst verfolgen zu müssen.
In Microsoft KI richtig budgetieren haben wir aufgeschlüsselt, welche Copilot-Varianten welche Lizenzvoraussetzungen haben und wo KI-Kosten im Microsoft-Stack überhaupt anfallen. In Microsoft 365: Preisanpassung und neue Funktionen 2026 haben wir eingeordnet, was sich im laufenden Jahr lizenz- und kostenseitig verändert.
Wenn Sie Ihren Copilot-Einsatz strukturiert aufstellen möchten, sprechen Sie uns an.
Wann tritt die Umstellung auf nutzungsbasierte Abrechnung bei GitHub Copilot in Kraft?
Was sind GitHub AI Credits?
Welche Funktionen verbrauchen keine Credits?
Was passiert, wenn das inkludierte Guthaben aufgebraucht ist?
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